7
Mai
2012

Selbstmordversuch

Heute mit meinem Borderline-Kumpel U. gesprochen. Wochen nix gehört, weil er sich umbringen wollte. Er wollte sich vor nem LKW werfen. Erst landete er auf dem Dach des Lasters, anschliessend auf der Straße, als er sich von der Brücke stürzte. Schulter gebrochen, keine bleibenden Schäden. Er lag 5 Wochen im Krankenhaus. Er klang am Telefon total depressiv und verzweifelt. Zuspruch scheint in so einer Phase Null Wirkung zu haben. Auch der Satz, dass er froh sein kann nicht im Rollstuhl zu sitzen scheint keine Wirkung zu haben. Ich kenne ihn aus dem Arbeitstrainingszentrum in Saarbrücken. Er glaubt nicht mehr an Besserung im Leben, denkt, dass niemand ihn braucht. Auch sein Job in der Behindertenwerkstatt zieht ihn eher runter, da er diese Arbeit nicht gleichwertig zur normalen findet.
Ich habe das Gefühl ihm nicht wirklich helfen zu können. Das macht ohnmächtig. Kennt ihr das auch?


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2
Mai
2012

Vertrauen. Oder meine Sehnenscheide-Handgelenk-Operation

Am Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus, soll ich von meinen Schmerzen befreit werden. Hurra! ;-) Wenn ich ehrlich bin, habe ich ein wenig Angst, dass die OP nicht zum Erfolg führt. Meine Mutter und andere meinen, dass ich noch eine zweite Meinung holen sollte. Die OP soll ambulant erfolgen und meiner Mutter wäre ein Klinikaufenthalt für mich lieber, da mich dort jemand betreuen könnte. Zumindest bin ich darin geübt mit der linken Hand mein Arsch sauber zu machen und dafür brauche ich keine Krankenschwester;-). Hurra!! Grins.
Mir ist aufgefallen, dass das Leben ohne Vertrauen nicht funktionieren kann. Ich vertraue darauf, dass die Klospülung funktioniert und sauberes Wasser aus dem Hahn kommt. Ich vertraue, dass mein Arbeitslosengeld 2 jeden Monat pünktlich aufs Konto kommt. Auch vertraue ich, dass mich niemand in meiner Heimatstadt verprügelt oder erschiesst. Zum Glück lebe ich in einem friedlichen Land und nicht im Bürgerkriegsland Syrien. Und ich muss zu guter letzt diesen Chirurgen vertrauen, dass er mir hilft gesund zu werden. Ich vertraue, dass er sein Handwerk beherrscht und nicht als Metzger tätig ist, um andere zu misshandeln wie dies zur Zeit in Syrien geschieht. Ärzte arbeiten dort als Folterer. Das erinnert mich an Zeiten in Hitler-Deutschland. 67 Jahre ist dieser Horror her. In Syrien vertrauen sich die Menschen immer weniger. Maria kehrte vor einigen Wochen aus Syrien zurück und ich sah wie verändert sie aus sah. Wie der Krieg ihre Mimik erstarren ließ. Sie erzählte wie Menschen andere verstümmelt hätten. Aus dem Haus hätten sie sich kaum getraut. Das Trauma des Krieges hat sie fast verstummen lassen. Sie redet nur wenig über diese Tragödie. Sie meint, dass ohne Assad alles noch schlimmer wird, vorallem für die Christen. Weltweit sollen über 100 Millionen Christen verfolgt werden, vorallem in islamischen Ländern, die seit dem Sturz verschiedener säkulärer Diktaturen noch mehr unter Druck stehen. Der arabische Frühling hat nicht unbedingt die Demokratie gebracht, die wir uns vorstellen. In Deutschland haben auch Minderheiten wie der Islam Rechte. In Arabien scheint ein anderer Wind zu wehen.
Vertrauen ist ein wirklich großes Wort. Vertraue ich immer? Nein. Wann vertraue ich? Was hilft uns zu vertrauen? Will ich dieser Welt trauen? Oder will ich wie Lenin denken, der einmal sagte, dass Vertrauen gut ist, aber Kontrolle besser?
Ich habe mir vorgenommen, dass ich lieber mehr vertrauen will, als es mir gut tun könnte. Die andere Alternative wäre Isolation und Unglücklichsein. Glück entsteht dadurch, dass wir uns und anderen trauen. Morgen will ich trotzdem in der Praxis anrufen, um noch ein klärendes Gespräch wegen der OP zu führen. Vertrauen braucht auch Zeit und fällt nicht vom Himmel.
Leider nehmen viele Ärzte sich diese Zeit nicht mehr, weil das System schneller und effizienter arbeiten muss. Kostendruck zerstört diese wertvolle menschliche Währung.
Aus dem Grund laufen auch immer mehr Patienten zu Heilpraktikern und Wunderheilern. Manche Heilmethoden der Alternativmediziner wirken zweifelhaft, aber das Vertrauen heilt vielleicht mehr, als die Methoden je könnten. Und mancher hält sich dann an den Spruch: "Wer heilt hat Recht!" Am Ende habe ich mich doch gegen die Alternativmedizin und Eigenbluttherapie entschieden und der Schulmedizin den Vorzug gegeben. Nächste Woche wird geschnitten und die verengte Sehnenscheide gespalten. Ich hoffe, dass ich danach wieder fitter bin, um in Zukunft wieder mehr zu schreiben. Hab jetzt auch Pausen während der Schreiberei eingelegt, um die Belastung zu verringern. Es ist schwer sich von einer so großen Liebe zu trennen. Mein letzter Orthopäde meinte, dass meine Sehnenscheidenentzündung womöglich psychisch bedingt ist. Aber das glaube ich nicht. Dafür liebe ich das Schreiben zu sehr.


Mehr Infos zur Sehnenscheide:

http://www.ak-medizin.de/sehnen/


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29
Apr
2012

Danke für die Emails und eure Rückmeldungen auf mein Blog

Persönlich tut es mir sehr leid, wenn ich nur kurz oder gar nicht auf Emails antworte. Eigentlich ist es für mich zur Zeit eh unvernünftig ins Internet zu gehen, da ich diese Sehnenscheidenentzündung habe. Meine Hand und meine Schulter sind davon betroffen. Im Mai wird es eine Operation geben, wo ich Rücksicht auf meine Genesung nehmen muss. Also ich werde Emails mit großer Verspätung erst beantworten können. Selbst das tippen dieser Zeilen kann für mich zu Schmerzen führen. Ich hoffe auf euer Verständnis und das ihr mir das nicht persönlich nimmt.

Mit lieben Grüßen Deprifrei


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24
Apr
2012

Gott, Buddha und ich

Heute regnete es. Es schien kurz die Sonne. Mein Gemüt tendierte in den Abgrund. Ich meditierte. Etwas hellte sich meine Stimmung auf. Eine Nachbarin klingelte an meiner Türe. Ich machte auf, aber sie verschwand in ihre Wohnung gegenüber von meiner und äffte mein Glücksmantra nach. Mutig war sie nicht. Ich verlor die Lust am meditieren. Eigentlich sollte mir so eine doofe Nachbarin egal sein. Diese dreht manchmal durch und schreit in ihrer Wohnung. Ich glaube, dass sie auch eine psychische Erkrankung hat. Sie ist allerdings Jesus-Anhängerin. Nichts gegen Jesus, er hat den Römern und Pharisäern die Stirn gezeigt. Cooler Typ. Coole Männer sind heute in Zeiten der Emanzipation eine aussterbende Rasse. Einer der letzten deutschen Machos Deutschlands Rudi Assauer hat die Demenz erwischt. Er ist nicht mehr Herr seines Lebens. So wie ich nicht Herr über mich bin, wenn mich die dunkle Seite meines Ichs erwischt. 10 Buchstaben hat diese Welt, die Millionen Bürger befallen hat. Sie ist die moderne Pest unserer Zeit. Wir siechen heute nicht mehr körperlich wie im Mittelalter, sondern seelisch. Wir hauen uns die Rüben nicht mehr ein, aber quälen andere mit Intrigen und Mobbing, so dass sie Selbstmord begehen. Die Gewalt ist versteckter. Zu Zeiten Jesus Christus wurden die Menschen am Kreuz aufgehängt. Heute werden sie in Facebook öffentlich hingerichtet als mutmaßliche Kinderschänder. In Emden wurde fälschlicherweise ein 17 Jähriger beschuldigt ein Kind umbebracht und missbraucht zu haben. In Facebook riefen Menschen zum lynchen auf. Vor der Polizeiwache tauchte der Mob auf und wollte ihn umbringen. Später stellte sich seine Unschuld raus.
Ich habe mich immer gefragt, ob es Gott geben kann und wer er sein könnte. Das Leben ist ein Mysterium. Wir werden in die Welt ohne Bedienungsanleitung reingeworfen uns müssen das Schwimmen lernen. So viele unsichtbare Regeln und Gebote bestimmen unser Dasein. Gemobbt wird oft der der anders ist. Wir haben wenig Mut zum querdenken, weil wir uns sonst von der Gruppe ausschliessen würden. Anders und weiter zu denken führt dazu, dass ich nicht zu Geburtstagen, Betriebsfeiern und anderes eingeladen werden. Im schlimmsten Fall endet so ein Verhalten mit öffentlicher Ächtung und Mobbing. Jesus dachte auch sehr oft quer, machte nicht das was die Menschen von ihm verlangten, wenn sie Wunder von ihm erwarteten. Dann wollten sie ihn lynchen. Darüber sprachen wir heute im Studententreff. Aber gerade Querdenker verändern die Welt. Jesus ist das beste Beispiel. Aber obwohl ich Jesus bewundere, kriege ich den Glauben an Gott nicht hin. Gott ist für mich wie ein abstraktes Gemälde. Ich kann ihn nicht wirklich fassen. Noch kann ich ihn sehen oder anfassen. Wenn ich mich schlecht fühle, dann will ich an eine Göttlichkeit glauben. Ich habe das Bedürfnis mich an eine höhere Macht zu wenden. Der Buddhismus tickt da anders, er glaubt an die Macht von einem jeden Einzelnen. Manchmal verliere ich diese Glauben an mich selbst, ich sehe wie begrenzt mein eigenes Dasein ist. Ich zweifle an meine Buddhaschaft.
Am Buddhismus mag ich den Glauben an Reinkarnation. Ich habe viele Leben und viele Chancen meine Erleuchtung zu erlangen. Im Christentun habe ich nur dieses eine Leben und wenn ich es versaue, dann komme ich nicht ins Paradies. Gott ist ein harter Richter. Und ich glaube nicht an Härte. Härte verhärtet die Menschen. Ich habe das Empfinden, dass das größte Abenteuer unserer Zeit die spirituelle Reise ist. Wir haben alle Völker dieser Erde entdeckt, aber wir wissen so wenig über unsere eigene spirituelle Natur. Dieses Land ist uns so unbekannt wie die Tiefsee.
Die Wissenschaft ist wie der Rahmen eines Bildes. Was sich im Bild befindet können wir heute dank unseres Wissens wunderbar messen. Aber was außerhalb des Rahmens ist, dass können wir nicht messen. Kein Wissenschaftler kann nachweisen, was nach dem Tod kommt. Und in dem Fall kommt die Religion oder die Spiritualität ins Spiel. Glauben können wir am Ende nur das, was uns das Gefühl sagt und nicht der Verstand. Angeblich werden bis zu 80 Prozent aller Entscheidungen über unsere Gefühle entschieden. Der Rest ist Verstand. Unser Verstand ist daher ein sehr begrenztes Wesen. Gefühle werden verdrängt. Wir verdrängen unser Selbst und bekommen somatische oder psychische Erkrankungen. Der Verstand soll unsere Angst zähmen. Aber der Verstand kann das nicht. Wir arbeiten zu wenig mit unseren Gefühlen.
Heute Abend dachte ich darüber nach, dass ich im Leben gescheitert bin. Ich habe kein Geld, keinen Job, keine Freundin und fühle mich oft einsam. Die Sehnenscheidenentzündung tut mir weh. Ich schreibe trotzdem. Irgendwie dumm, aber ohne Sprache und schreiben sterbe ich. Sonst würden mich die Ängste noch mehr quälen. Das Schreiben vertreibt all diese Quälgeister. Ich kann wieder strukturierter denken. Meine Gefühle werden kanalisiert. Auch die Meditation hilft mir wieder mehr bei mir zu sein und Ängste und Sorgen zu verlieren, einschliesslich meiner Depressionen. Allerdings ist das Schreiben für mich natürlicher und einfacher. Das Meditieren ist dagegen harte Arbeit an meinem Geist.
Ich werde jetzt gleich schlafen gehen und noch Jürgen Domians Stimme auf EinsLive lauschen. Heute ist wieder eine Nachttalk-Sendung. Mal schauen, ob es einen anderen noch beschissener geht wie mir. Das relativiert das eigene Leid.
Als ich Sonntag bei Günther Jauch den depressiv wirkenden Manuel Koch sah, der seit seiner riskanten Wette bei "Wetten dass" querschnittsgelähmt ist, dachte ich, dass es mir doch ganz gut geht trotz meiner Sehnenscheidenentzündung und meiner krankenden Psyche. Koch erzählte, dass er sich selbst nicht kratzen kann, wenn es ihn juckt. Mich dagegen jucken seine Probleme nicht.
Wahrscheinlich ist das so ähnlich bei vielen, die selbst nie Depressionen hatten. Sie können sich nicht vorstellen, wenn die Psyche verrückt spielt. Ich kann mir die Welt von Koch nicht ausmalen. Keine Gefühle in den meisten Teilen meines Körpers zu haben. Nie mehr die Chance zu haben mit einer Frau Sex zu haben. Kein selbstbestimmtes Leben zu führen und selbst kacken zu gehen. Ich sollte mir bewusst werden, dass trotz meiner Erkrankungen ich noch Chancen habe gute Momente im Leben zu erleben. Koch hatte mich wirklich sehr berührt und trotz all dieser Schicksalsschläge glaubte er an Gott. In so einer Lebensphase kann der Glaube eine Gnade sein. Ohne einen Glauben schaffen wir es bei Schicksalsschlägen nicht wieder an uns zu glauben und wieder nach vorne zu blicken und zu gehen.


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23
Apr
2012

80.000 Besucher überschritten. Meine Gedanken zum Google-Ranking

Am 20. April habe ich die 80.000 Besucherzahl überschritten. Glaub seit ca. 2009 zählt der Blogcounter. Dank meines Artikels auf http://deprifrei.twoday.net/stories/38757396/ über die oberflächige Singlebörse http://finya.de habe ich einen wahren Besucheransturm zu verzeichnen. Ich habe es geschafft, dass Google mich auf die erste Seite gebracht hat, wenn man Finya eintippt. Über 1000 Leute haben mich so gefunden. Die Suche nach der Liebe hat mich auch für Google sexy genug gemacht, dass ich nach oben katapultiert wurde. Keine Depression konnte mir bisher so ein Topranking garantieren. Teilweise hatte ich die letzten Wochen über 100 Besucher, obwohl ich nichts neues schrieb. Sogar bei http://top.twoday.net tauchte ich in der Liste auf. Meine eigentlichen Themen wie psychische Erkrankungen, Borderline, Medikamente, Psychiatrie, Psychiater, Psychologen, Tagesklinik, Depressionen Suizidgedanken...haben sich kaum als Begriffe oben im Google-Ranking gefunden.

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Mit Humor tarne ich meine Krankheit. Den DIN-Norm-Depressiven gibts nicht

Vor über zwei Woche besuchte ich meinen Psychiater. Ich wollte mir eine Einweisung für die Tagesklinik besorgen, da es mir seit dem Ende meiner Umschulung immer dreckiger ging. Ich erzählte ihm von meinen negativen Erfahrungen mit Orthopäden. Und er meinte, dass ihm als Arzt auch sowas wiederfahren war. Wir lachten. Ich erzählte ihm, dass ich gerade unter Depressionen leide und er meinte, dass es mir nur sehr schlecht ginge und ich mich hinter meiner Kranheit verstecken würde. Ein beliebter Vorwurf, vorallem bei psychisch Kranken. Der Kranke wird schuldig gesprochen, er ist ja selbst an seiner Situation schuld. Auch erzählte er mir, dass ich jetzt einen Krankheitsgewinn habe. Der Krankheitsgewinn ist eher Minimal, das Defizit viel höher. Ohne Depressionen hätte ich längst einen guten Job, dadurch viel Geld und mehr Selbstbewusstsein. Das Selbstbewusstsein hätte dazu geführt, dass ich lockerer wäre und dadurch hätte ich viel mehr Schnecken checken können. Auch meine Sexbilanz wäre viel besser ausgefallen. Im Moment habe ich nur mich, eine sehr un(befriedigte) Situation ;-).
An dem Tag war ich leider nicht total depressiv. Ich kann wunderbar meine Krankheit mit Witzen, guter Laune und Redegewandtheit tarnen. Wenn ich mich depressiv gebe und meine Maske fallen lasse, dann komme ich irgendwann bei anderen nicht mehr an, was zu noch mehr Isolation führen würde. Je humorvoller ich werde, desto schlechter gehts mir. Humor schafft für einige Augenblicke Distanz zum eigenen beschissenen Leben. Mein Psychiater hat seit Jahren meine Maske nicht durchschaut. Er sieht nur einen einigermaßen gesund wirkenden jungen Mann, der auch noch lachen kann, wenn es einem eigentlich nicht zu lachen ist. Depressive dürfen nicht lachen, dass ist ihnen strengstens verboten. Depressive müssen eine starre Mimik haben, am besten tote Auge und langsam monoton sprechen. Aber es gibt nicht den DIN-Norm-Depressiven. Jede Krankheit wirkt sich auf den Einzelnen unterschiedlich aus. Aber die Gesellschaft und selbst Ärzte stellen Normen auf wie ein Kranker sich zu verhalten hat, damit er als solcher anerkannt wird.

Der Arzt gab mir doch die Überweisung für die Tagesklinik. Zähneknirschend gab er mir Valdoxan 25mg, damit ich besser einschlafen kann. Es wirkt auch antidepressiv, aber diese Wirkung habe ich bisher nicht bei mir festgestellt. Er meinte auch, dass ich keine Schlafstörungen hätte, obwohl dies bei der Krankheit weit verbreitet ist. Die Schlafstörung führt dazu, dass ich sehr spät einschlafe und dadurch mein Tagesrhythmus durcheinander kommt. Wenn ich wieder meine Umschulung beginnen würde, wäre es noch wichtiger gut einzuschlafen und nicht nach 2 Uhr nachts. Und ich muss das Einschlafen schon jetzt üben, um das Problem nicht später zu haben. Ich muss viel tun, dass ich weiter im Gleichgewicht mit mir selbst lebe und nicht vom Seil falle.


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Warum ich wieder glücklich bin

Wenn ich die letzten Wochen und Monate betrachte war ich manchmal in ziemlichen depressiven Tiefen abgerutscht. Der Frühling hat begonnen, aber Glück macht sich selten in mir breit. Ich muss auch immer länger meditieren, um aus der Depression rauszukommen. Früher reichte es 15 -30 Minuten mein buddhistisches Glücksmantra im Singsang zu wiederholen, jetzt muss ich 45-60 Minuten aufbringen. Gerade bei Depressionen ist es nicht leicht sich auf eine Sache zu konzentrieren. Die Meditation schafft es, dass ich ungefähr 12-24 Stunden keine oder nur leichte Symptome meiner psychischen Erkrankung bemerke. Je öfter und regelmässiger ich diese buddhistische Praxis ausübe, desto stärker wird die Wirkung. Immer wieder merke ich wie die Trägheit das Kommando über mein Leben übernehmen will und mir ist gewiss, dass ich dagegen ankämpfen muss. Es ist so leicht sich in sein Ungücklichsein fallen zu lassen, da man dafür nichts tun muss. Glücklich zu leben ist dagegen eine wahre Herausforderung. Ich glaube, dass wir alle Menschen auf einem Seil tanzen. Manche Menschen haben einen besseren Gleichgewichtssinn, andere fallen öfters vom Seil, sobald ein Windhauch sie packt. Ich habe was das Glück angeht eine Gleichgewichtsstörung. Ich muss noch viel mehr tun, um nicht vom Seil zu fallen. Auf jeden Fall muss ich darauf achten, dass ich nur Schritt für Schritt gehe und nicht wie andere über das Seil rase. Psychisch Kranke müssen das Leben mit Achtsamkeit meistern und auf ihre Ernährung, ihre Gedanken, ihre Freundschaften und vieles andere viel mehr achten.
Ich habe mir vorgenommen, dass mein Glas mindestens halb voll ist. Noch bis gestern Abend war mein Leben wie ein dunkles Verliss. Ich nahm meine pechschwarzen Gefühle bzw. Gefühle nicht so wichtig und ging doch zu einer Veranstaltung junger Christen. Ich unterhielt mich auf dem Weg dorthin mit sehr tollen Christen und so langsam hellte sich meine Stimmung auf. Ich verlor kaum Worte über mein Gemüt, ich drehte mich nicht in der depressiven Spirale, sondern verliess diesen Kreislauf des ewigen Unglücks. Ich machte Witze. Humor heilt die Seele. Humor schafft Distanz zum Unglücksein. Bei der Veranstaltung wurde gesungen, gepredigt, gebetet und miteinander gesprochen. Die Einsamkeit sperrt den Depressiven ein, aber Einsamkeit muss kein dauerhaftes Schicksal sein.
Auch die schmerzhafte Sehnsucht nach einer Partnerin hat sich stark abgemildert. Mit über 30 gründen viele Männer eine Familie und ich bin immer noch auf der Suche nach einem glücklicheren Weg in meinem Leben. Ich träume davon meinem Leben Sinn einzuhauchen, um das Leben nicht nur zu überleben.
Ich will leben!
Seit gestern strömt viel Glück durch meine Hirnwindungen, schon lange spürte ich das Dasein nicht so positiv. So kann es weiter gehen! Heute werde ich wieder meditieren. Ich will noch länger, noch intensiver mein Glücksmantra wiederholen. Gerade wenn es einem gut geht, muss ich etwas dafür tun, dass es mir weiter gut geht. Es kann schwierig werden aus einer Unglücksspirale rauszukommen. Daher rate ich jedem schon lange vorher positive Dinge zu tun, bevor das Unglück einen wie ein Tsunami überrollt.

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19
Mrz
2012

Haben wir den Super-Gau(ck) gefunden?

Gestern wurde Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Spannend war die Wahl natürlich nicht. Sie erinnerte schon ein bisschen an Putin'sche Verhältnisse, weil das Wahlergebnis schon vorher feststand. Immerhin im Unterschied zu Russland muss niemand das Ergebnis schön fälschen. Knapp 1000 wählten ihn auf der Bundesversammlung. Auch ich fand das nicht schlecht. Ein SPD-Politiker meinte, dass Wulff eine Parteilaufbahn mitbringen würde, aber Gauck eine Biographie. Immerhin hat er in der DDR vielen Regimegegnern zur Ausreise verholfen. Meine ersten Lebensjahre habe ich auch in der DDR verbracht, aber als Kind sieht und fühlt man die Mauer noch nicht. Freiheit ist sein großes Lebensthema, da Gauck viele Jahre in der DDR gelebt hat. Ich finde, dass er eine sehr warme Stimme hat und dass der Eindruck der Linkspartei falsch ist, die ihn als "Präsidenten der kalten Herzen" bezeichnete. Die Linkspartei kam natürlich auf diese Idee, weil er die Agenda 2010 gut fand. Allerdings habe ich immer den Eindruck, dass einzelne Sätze aus dem Zusammenhang gerissen werden. Auch ist Gauck nicht als Sozialpolitiker bekannt. Er muss sich als Bundespräsident natürlich viel mehr in die einzelnen Lebensbereiche der Menschen einarbeiten, und ich denke, dass man ihm einige Zeit lassen sollte, bevor man ein Urteil über ihn fällt. In einer seiner Aussagen hat er sich auch nicht als Heilsbringer gesehen, sondern als ein Mensch, der Fehler hat.

Christian Wulff hat natürlich ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen, was die Integration anbelangt. Allerdings bin ich der Meinung, dass es auch noch andere wichtige Themen gibt, wie zum Beispiel, dass es immer mehr arme und immer mehr reiche Menschen gibt, aber andererseits auch, dass es immer mehr psychische Erkrankungen gibt. Das Thema wird immer noch von der Politik zu wenig betrachtet. Psychisch Kranke müssen mehrere Monate bis zu einem Jahr auf eine psychologische Behandlung warten. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass einige Psychologen Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten bevorzugen. Eine Psychologin sagte mir mal, kacken dreist, dass sie an Privatpatienten viel mehr verdient, als ich sie darum bat, dass wir uns jede Woche treffen könnte. Dabei sah ich sie gerade einmal im Monat und war in einer tiefschwarzen, depressiven Phase. Auch der Leistungsdruck in der Arbeitswelt macht die Menschen immer kränker. Gerade in meiner Generation gibt es auffällig viele psychisch Erkrankte. Viele kommen mit den Anforderungen der Gesellschaft nicht zurecht, wo ich mir der Nächste bin. Ich denke sehr oft, dass der Zerfall der Religion und der Vereine die Egozentrik des Einzelnen erhöht hat. Geld ist die neue Religion. Gauck dagegen ist ein gläubiger Mann, der als Pastor früher tätig war. Auf jedem Fall wünsche ich dem neuen Bundespräsidenten, dass er auch die psychischen Erkrankungen im Fokus seiner Politik nimmt. Natürlich ist mir klar, dass er nicht alle Wünsche bedienen kann, geschweige denn diesen Blog lesen! So bedeutungsvoll sehe ich meine Gedanken auch nicht, auch, wenn ich mich freue, wenn ich anderen einen Anstoß liefere, so wie es auch Gauck tun wird.


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16
Mrz
2012

Nicht aufgeben!

Wieder ein Tag gewonnen, an dem ich mich nicht aufgab. Nach vielen vielen Wochen putzte ich das Treppenhaus. (Ich wundere mich, dass sich so selten ein Nachbar bei mir beschwert.) Ich lud Buddhisten zum meditieren ein. Das meditieren half wieder klarer im Kopf zu werden. Gerade komme ich von meinem Pilateskurs zurück. Jetzt habe ich wieder meinen Kampf gegen die Dunkelheit in meiner Birne aufgenommen. Ich will vor dieser Negativität nicht kapitulieren! Ich bin ein Sieger!


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13
Mrz
2012

Nicht alle Herzen sind zu Eis gefroren

In der letzten Zeit war ich leider öfters depressiv, was zur Folge hatte, dass mir der Antrieb fehlte, wichtige Aufgaben zu erledigen. Zum Beispiel meine Wohnung vergammelte, ich hatte keine Kraft gehabt, mal wieder zum Orthopäden zu laufen. Dort komme ich mir wie eine drei-, vier Minuten Ware vor, wo schnell der nächste Patient nachgeschoben wird, wahrscheinlich auch ein Kassenpatient. Irgendwann las ich in der Gemeinschaftspraxis an dem Fernsehbildschirm, dass sie pro Patienten 23 Euro verdienen, egal wie oft sie sie behandeln. Von ersten Anruf bis zum ersten Termin dauerte nur eine Woche; der Nachfolgetermin schon sechs Wochen. Das ist schon irgendwie komisch. Nach meiner Auffassung klagen die meisten Ärzte auf hohem Niveau. Das meiste verdienen Orthopäden zum Beispiel durch Röntgenaufnahmen, was sie natürlich nicht an die große Glocke hängen. Manche Ärzte sind gar keine Ärzte mehr, sondern kleine Unternehmer, die auch etwas vom großen Wohlstandskuchen abhaben wollen. Die kleine Gewerkschaft Marburger Bund hat für die Ärzte ziemliche Gehaltssteigerungen rausgekämpft, die weit über das hinausgehen, was normale Arbeitnehmer bekommen haben. Und die Orthopäden gehören zu der Berufsgruppe, die mit am meisten verdient. Aber die Wohlhabenden und die Reichen haben sich seit dem Ende des Kommunismus arm gerechnet, um noch mehr zu bekommen. Und die, die zur Mittel- und Unterschicht gehören, beglücken sich mit ein paar Brotkrümeln. Ich weiß natürlich nicht, ob die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung genügend Druck aufbauen wird, damit die Ressourcen nicht nur von unten nach oben gereicht werden.
Ich hatte sehr lange das Befreiungsformular der GEZ-Gebühren nicht ausgefüllt. Jemand, der ALG2 bekommt, muss aufgrund seiner Bedürftigkeit keine Fernsehgebühren bezahlen. Das Formular füllte ich mit meiner Mutter aus, da mir schlicht die Kraft fehlte, dies selber zu tun. Sehr einfache Tätigkeiten werden in einer Depression zu Herkules-Aufgaben. Dann habe ich das Formular wochenlang nicht verschickt, weil ich zu träge war, dieses in einen Briefumschlag zu tun. Am 29. Februar bin ich endlich zur Post gelaufen und verschickte diese Formulare. Dann meldete sich die GEZ bei mir und schrieb mir, dass meine Befreiung nur vom April an gilt. Ich war ziemlich erschrocken, da ich dachte, dass der Poststempel den letzten Tag des Monats haben muss. Ich rief bei der GEZ an und bekam eine junge Frau an der Strippe, die eine sehr verführerische Stimme hatte. Sie sagte mir, dass die GEZ aus Kulanzgründen auf ihre Gebühr verzichtet hat, da ich in der Vergangenheit alles rechtzeitig eingesendet hatte. Ich war ziemlich baff, da die GEZ eher für harte Methoden bekannt ist, um Menschen das Geld aus der Tasche zu nehmen, zum Beispiel Kontrolleure, die an der Haustür unangemeldet klingeln. Die Telefonistin lachte und meinte, dass "wir nicht immer Scheiße sind"! Mir fiel ein Stein vom Herzen, da durch eine Telefonrechnung wenig Bares auf meinem Konto ist. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für die Menschheit und nicht alle Herzen sind zu Eis gefroren.

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5
Mrz
2012

"Vergebung ist der Samen des Friedens"

Jede Woche gehe ich zu einem christlichen Studententreff. Bis vor ungefähr einem Monat hatten wir eine Studentin in unseren Reihen, die in Deutschland als Austauschstudentin war. Sie studierte hier Germanistik, um es in Syrien als Lehrerin eines Tages den Menschen beizubringen. Ihre Mutter war Deutsche, ihr Vater Syrer. Sie war eine sehr freundliche Person, die immer ein Lächeln auf den Lippen trug. Sie stammte aus der Stadt Homs, die im Moment stark umkämpft ist. Die Freie Syrische Armee will Syrien aus der Diktatur Assads befreien. Ob dann eine Demokratie folgt, das weiß niemand. So oft kommt nach dem Bürgerkrieg eine andere Diktatur, und die alten Ideale werden verraten. Das weiß man auch von der französischen Revolution 1789. Ich drückte ihr mein Missfallen über Assad aus, aber sie verteidigte ihn. Sie meinte, das, was im Westen berichtet wäre falsch, und die Aufständischen wären Terroristen. Sie gehörte zur christlichen Minderheit in diesem Land, und wie ich aus den Medien erfuhr, schürte Assad die Angst der Christen, dass die Aufständischen Islamisten wären, die einen fundamentalistischen Gottesstaat errichten wollen. Assad selbst gehört zu den Aleviten, die nur 10% der Bevölkerung ausmachen und den Staat beherrschen. In einer anderen Woche, als sie nicht dort war, erzählte ich über meinen Bulgarien-Urlaub und wie billig alles wäre. Einer der anderen Studenten sagte, dass Maria, die Syrerin, erzählt hatte, dass Taxifahren in Damaskus nur ein paar Cent kosten würde und das Land total billig wäre. Ich antwortete etwas trocken, dass es die Kugeln sogar umsonst gäbe. Manche Demonstranten wurden von den Sicherheitskräften zu dieser Zeit niedergeschossen. Zu dem Zeitpunkt stand Syrien kurz vor dem Bürgerkrieg. Ein anderer Student erschrak sich über meinen Satz und sagte mir, dass er froh sei. dass Maria gerade nicht dabei war. Ich musste irgendwie höllisch lachen. Manchmal muss ich einfach die Wahrheit sagen! Das macht einen natürlich nicht immer beliebt. Kurze Zeit später reiste Maria nach Syrien aus und wir machten uns Sorgen um sie. Wie wir später aus den Nachrichten sahen, wurde Homs beschossen. Maria berichtete einem anderen Studenten, dass sie Angst vor Entführung hätte und ihre Familie ihr Haus nicht mehr verlassen würde. Jede Woche beteten wir für das Wohl ihrer Familie und dass sie wohlbehalten rauskommt. Einige Wochen hörten wir gar nichts von ihr. Wir wussten nicht, ob sie aus Homs flüchten konnte. Letzte Woche haben wir erfahren, dass sie und ihre Familie in Damaskus wohlbehalten angekommen sind. Wie ich aus den Medien weiß, ist Damaskus noch nicht umkämpft. Sie will jetzt wieder nach Deutschland zurückkehren, um ihr Studium hier fortzusetzen. Natürlich beten wir auch für Frieden in Syrien. Immer wieder hört man von Massakern und Folter. Eine Holocaust-Überlebende sagte einmal, dass Vergebung der Samen des Friedens wäre. Dieser Samen muss noch in Syrien gesät werden!
Vor etwa einem Jahr begann der arabische Frühling zu blühen. Menschen entdeckten ihre Menschenrechte und demonstrierten gegen Korruption, Folter und Willkür. Sie träumten wie die Menschen in der DDR 1989 von Freiheit. (Damals reiste ich als Kind mit meinem Vater in die DDR und ich spürte den Frühling in der zu Ende gehenden Diktatur. Menschen träumten von Wohlstand und Bananen und wollten in ihrem Land mitbestimmen. Ich fühle immer noch diese Leichtigkeit der damaligen Zeit, als hätten alle Menschen Schmetterlinge in ihrem Bauch, wie frisch Verliebte.)Doch manche arabische Despoten wollten nicht mitträumen, und sie knüppelten und schossen diesen Traum nieder. Bürgerkriege entstanden, z. B. in Libyen und jetzt in Syrien. Ist der arabische Frühling jetzt zu Eis gefroren und der Winter in die Herzen der Menschen eingekehrt? Auch die Rebellen in Libyen hatten die Folter und den Massenmord für sich entdeckt. Sehen sie jetzt genauso hässlich und empathielos aus wie Gaddafi? Wird dasselbe in Syrien geschehen?

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Präsidentenwahl in Russland

Heute hab ich erfahren, dass Putin die Wahl in Russland mit über 62% gewonnen hat. Ich habe noch nie jemand so weinen gesehen über einen Wahlbetrug! Da waren echte Freudentränen zu sehen. Wahrscheinlich war er davon so ergriffen, dass so viele ihm bei dem Wahlbetrug geholfen haben. Das würde mich natürlich auch sehr berühren. Fair war die Wahl natürlich nicht; fair wäre sie nur gewesen, wenn alle Kandidaten die gleichen Chancen zum Betrug gehabt hätten. Angeblich wurden Wähler mehrere Male zu verschiedenen Wahllokalen gefahren. Jetzt darf man sich auf weitere 6 Jahre Putin freuen. Wir sollten uns natürlich mit ihm freuen, denn sonst wird er die Gasleitungen kappen und wir müssen im Winter frieren ...

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24
Jan
2012

Alkoholismus

Vor etwa einer Woche startete ich eine Wirklichkeitsoffensive. Weg von der Virtualität, hinein ins Leben! Ich rief Lara an und fragte sie ob wir nicht etwas unternehmen können. Wir trafen uns in Düsseldorf in der Altstadt und gingen zu einer Diskothek. Bis in die frühen Morgenstunden tanzten wir. Lara ist ziemlich genial, was das Tanzen angeht. Ich komme mir dagegen wie ein dicker Seehund vor, der versucht zu tanzen. Sieht bestimmt lustig aus, wenn man 112kg in Tanzbewegung umsetzt! Aber es kommt auf den Versuch an. Mollige tanzende Männer sind eine wahre Rarität und ich bin gern eine Rarität. Gegen 6 Uhr verließen wir die Disko. Ich stieg mit Lara in die S-Bahn ein. Dann entdeckten wir eine hilflose Person, der zwischen den Sitzen auf dem Boden saß. Lara hat ein ziemlich großes Herz für hilflose Gestalten. Mein geübter Blick sah schon, dass es ein alkoholisierter Mann über 50 war. Sie fragte ihn, ob sie ihm helfen könnte, und er brabbelte wie ein Baby. Irgendwann musste Lara aussteigen, da sie auf dem Weg zu ihrem Freund war. Dann entdeckte ein anderer junger Mann seine Helfer-Syndrom-Qualitäten. Er quasselte ständig auf den Besoffenen ein, ob man ihm helfen könnte. Keiner von uns konnte seine Baby-Sprache verstehen. Hardcore-Alkoholiker versteht man nur, wenn man selbst besoffen ist. Das ist die universelle Esperanto-Sprache, die alle Kulturen und alle Menschen verbindet. Der Helfer-Syndrom-Mann fragte ihn, ob er einen neurologischen Ausfall hätte. Ich antwortete etwas süffisant, dass er eine ganz bestimmte Krankheit hätte. Der Alkoholiker antwortete, mit klarer Stimme, "Alkoholismus!" Das war schon echt krass. Der erste Moment wo er klar war. Danach brabbelte er wieder wie ein hilfloses Baby. Wir hievten das hilflose Baby auf den Sitz. Er war so schwer wie ein naßer Sack. Der junge Mann, der freiwilligen Dienst beim Roten Kreuz machte, rief einen Krankenwagen. Am Hauptbahnhof stieg ich aus und die Sanitäter holten den Alkoholiker ab. Ich empfand die ganze Zeit Ekel, Wut, wie man sich so gehen lassen kann, und Mitgefühl. Alkoholismus ist auch in meiner Familie ein verbreitetes Übel. Manche Menschen können das Leben mit klarem Sinn nicht leben und flüchten in eine (Alp)traumwelt. Meine Fluchtwelt war das Internet.


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Eine Sehnenscheideentzündung ist eine wahre Empathierakete

Eine Sehnenscheideentzündung ist eine wahre Empathierakete. Sobald man vom Orthopäden eine Gipsschiene verpasst bekommt, leuchtet die eigene Erkrankung wie Lichtreklame in der Dunkelheit. Selbst in der Disko kann man damit problemlos anbändeln, da sofort eine Schnecke fragt, was man denn gemacht hat. Wenn ich erzähle, dass ich von zuviel Facebooken das bekommen habe, lächeln oder lachen viele wohlwollend. Auch an anderen Orten, zum Beispiel bei einem Studententreff, ist eine Gipsschiene ein prima kommunikativer Einstieg. Das ist so ähnlich, wie die Frage, "Hast du Feuer?" Mit der Zeit erfährt man, dass auch viele andere diese Erkrankung durchgemacht haben. Manche hatten es mehrere Wochen, bis zu einem halben oder einem Jahr. Leider gehöre ich langsam zu den Hardcore-Sehnenscheide-Entzündlern. Seit drei Monaten versuche ich, mich vom Internet fernzuhalten, was mir immer öfters gelingt. Zwei Wochen ohne Internetten habe ich schon geschafft. Für einen Suchti wie mich ist das schon ein Erfolg. Wenn man andere Leidensgenossen trifft, kann man sich prima Tipps holen, und ich treffe viele offene empathiefähige Herzen. Es tut einfach gut, dass andere diesen Schmerz ernstnehmen und meinen Umschulungsabbruch mitbedauern.

Dagegen ist eine Depression ein wahrer Empathie-Rohrkrepierer. Kaum jemand erkundigt sich, wie eine Depression sich entwickelt hat, und von Mitgefühl und Empathie ist kaum etwas zu merken. Was ich auch gemerkt habe, ist, dass bei einer Sehnenscheideentzündung nicht nach der Schuld gefragt wird, obwohl ich einiges dafür getan habe, dass es mir so geht, wie es mir geht. Bei Depressionen wird einem schnell die Schuld in die Schuhe geschoben. Diese Erfahrung ist natürlich sehr belastend, und hilft nicht bei einer Gesundung. Ich denke, durch eine Gipsschiene wird mein Leid sichtbar, während sie bei einer Depression unsichtbar bleibt. Auch muss ich sagen, dass Schwermut nicht wirklich sexy ist. So eine Entzündung, wie ich sie habe, ist dagegen eine wirklich attraktive Frau. Jeder will diese Frau kennenlernen und mit ihr sprechen. Vor der schwarzen Dame flüchtet dagegen fast jeder. Zur Zeit genieße ich sehr den sekundären Krankheitsgewinn meiner Sehnenscheideentzündung. Leider war dies in meiner depressiven Zeit nicht möglich. Ich habe einen großen Nachholbedarf an Streicheleinheiten, die ich durch meine Krankheit gewonnen habe!


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