22
Sep
2008

Sarayaku-Der Widerstand der Indianer (Indigenen) gegen die Ölförderung

regenwald

Ich wollte noch unbedingt über ein Vortrag vom Donnerstag von einem Indianer aus Ecuador berichten, der über 2 Wochen eine Tour durch Deutschland machte, um auf das Schicksal seines Volkes aufmerksam zu machen.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker ( http://gfbv.de ) hatte diese Tour organisiert.
Der Vortrag fand in einem kleinen Saal von einer Entwicklungshilfeorganisation statt.
Sarayaku ist der Oberbegriff für ein 254.000 Hektar großes Gebiet mitten im Amazonasregenwald, der etwa die Größe des Saarlandes entspricht.
Den Indianer lernte ich im Büro von Klaus kennen, bevor wir zum Vortrag gingen. Mit dabei war ein Ethnologiestudent, der das Spanisch vom Präsidenten des Volkes übersetzen sollte.
Der Indianer in mittleren Jahren, kam mir sehr sympathisch vor, er lachte sehr viel und versuchte sein einziges deutsches Wort "Tschüss" zu sagen, was ziemlich komisch klang, da er das Vokal ziemlich langstreckte.
Wir tranken Kaffee. Klaus war wie immer supernervös und meckerte viel, natürlich bekam ich alles ab. Ich sollte nicht soviel reden mit dem Indianer usw.
Er guckte nach allen Unterlagen und nahm sein geliehenes Laptop mit, indem er später eine CD einschieben wollte, um sie mit Hilfe eines Projektors den Film und die Fotos an die Wand zu strahlen.
Gegen 18 Uhr kamen wir an. Auf den Tischen im Saal verteilten wir alle Flyer von der Menschenrechtsorganisation, die sich dem Schicksal bedrohter Religionen und Völker verschrieben hat.
Dann probierten wir, ob die Klingel funktionierten, da der Raum in der dritten Etage ist und befestigten Hinweise an der Eingangstür, wo der Vortrag stattfindet.

Gegen 19 Uhr trudelten die Besucher der Veranstaltung ein. Meist waren es die selben Menschen, die ich schon von früheren Veranstaltungen oder Demos kannte. Praktisch eine Art Insider-Veranstaltung. Nur ein Mädel war jünger als ich, sonst so 68er Leute.

Der Indianer erzählte, dass in Ecuador bei den Quichua Öl durch eine argentinische Gesellschaft gefördert werden soll und erste Probebohrungen, trotz ihres Widerstandes gemacht wurden. Die Sprengköpfe für die Probebohrungen wären immer noch im Regenwald da und sie fordern, dass die Ölgesellschaft sie entfernt. Sie hatten über eine lange Zeit diese Stellen besetzt und mit Lanzen und Sperren sich gegen Paramilitärs und Regierungstruppen verteidigt. Quasi ein Kampf zwischen David und Goliat.
Der Präsident des 2000 zählenden Volkes erzählte, dass man sie versuchte zu bestechen, was bei einigen wenigen gelang. Er meinte bildlich gesprochen mit bisschen Schnaps und einem Fernseher, sollten sie ihr Gebiet verkaufen.
Natürlich weiss er, dass eine Ölförderung dazu führen würde, dass die Fische und die Tiere sterben würden, was ihre Lebensgrundlage gefärden würde.
Im Gegensatz zu früher sind sich die Indianer bewusster, welche Gefahren von einer modernen Zivilisation entstehen können.
Ihre Dörfer kann man nur über Boot oder Flugzeuge erreichen, was eine Erschliessung des Gebietes erschwert.
Das meiste Unglück für Indigene kam in der Vergangenheit durch Straßenprojekte wie der Transamazonica, die viele Siedler in den Regenwald spülten und die oft die Frauen der Indianer vergewaltigten und Krankheiten reinschleppten, gegen die sie nicht immun waren.
Viele Indianerstämme haben diese negative Erfahrung mit dem Öl gemacht und leben wie Sklaven von der Ölgesellschaft.
Vom Reichtum unter der Erde hätten diese Völker nichts.
regenwald2
Im Dokumentarfilm wurde sehr schön gezeigt wie die Frauen lautstark mobil machten, als das ecuadoranische Militär kam. Sie gaben später auch als Geste des Friedens die entwendeten Maschinengewehre zurück.
Die 14 Teilnehmer der Vortrages fragten sehr eifrig, ob es auch eine öffentliche Unterstützung gegen die Ölförderung gebe. Der Indianer meinte, dass viele Journalisten sie in Ecuador unterstützen würden mit positiven Artikeln über ihre prekäre Situation.
Aber die Korruption wäre in seinem Land weit verbreitet und politischer Mord auf einflussreiche Schamanen üblich.
Dann stellte ich die Frage, wieviel der indigenen Kultur erhalten blieb.
Er meinte seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hätten Jesuiten die Indianer christianisiert. Durch die Christianisierung seien viele alte indianische Bräuche und Feste verloren gegangen.
Heute wollen viele junge Leute die indianische Kultur wiederbeleben und sich ihren alten Götter zuwenden.
Sie wollen einen sanften Ökotourismus schaffen und den Spagat zwischen der modernen und ihrer Welt schaffen.
Auch haben sie eine Internetsatelitenverbindung.
In meiner Phantasie habe ich mich immer in das Leben der Indianer hineingeträumt. Das Leben der Indianer war immer mit der Natur geprägt und nicht gegen sie.
Die westliche Zivilisation hat sehr viel altes Naturwissen zerstört.
Was ich auch gut finde, dass das Land von Sarayaku allen Indianern gehört und daher nicht von einem einzelnen verkauft werden kann.
Ob der Widerstand gegen die Ölförderung Erfolgschancen hat?

Was mir auch auffiel war die leichte Art von dem Indianer, der sofort lachen konnte, wenn ich einen Witz machte.
Er hatte mich gegen 22Uhr nach dem Vortrag gefragt, ob ich studieren würde. Ich verneinte und sagte ihm, dass ich Hartz4 bekäme, was ungefähr 600 Euro im Monat sind.
Etwas ironisch sagte ich, dass ich ein wohlhabender Armer Mensch wäre und man die armen Menschen hier daran erkennen würde, dass sie billige Schokolade fressen.
Dann lachte er laut und herzlich.
Ich fragte ihn, ob viel gelacht wird bei seinem Volk und er sagte Ja.
Er sagte auch, dass der Vortrag ihm trotz der wenigen Besucher sehr gefiel, da sie und ich interessante Fragen gestellt hätten.
Dieser Vortrag hatte mein Leben wieder etwas bereichert.
Ich konnte ein wenig über meinen europäischen Tellerrand blicken. Wie gerne würde ich Sarayaku besuchen!
Aber im Moment fehlt mir die Knete.

Interessante Links:

http://sarayaku.com
http://oroverde.de/projekte/ecuador.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Sarayaku

Kontakt: deprifrei@web.de
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