Der Mensch ist ein Stammeswesen

Wenn ich die Welt der Indianer, mit der Welt von mir vergleichen würde, dann würde mir sofort auffallen wieviele Menschen unglücklich in Singlehaushalten leben und wie wenig gelacht wird.
Der Mensch ist ein Stammeswesen, aber die modernen Strukturen der westlichen Welt haben diese Struktur zerstört.
Wir müssen heute mobil sein und müssen jede Arbeitsstelle annehmen, egal wie weit sie von unseren Freunden oder der eigenen Familie entfernt ist.
Die Ersatzstammesstruktur ist heute der Arbeitsplatz, aber diese Sicherheit kann jederzeit einen weggenommen werden, wenn du oder deine Firma nicht profitabel genug ist.
Oder wenn eine Bank mit der anderen fusioniert, muß man auch Leute an die Luft setzen, damit die Einspareffekte genutzt werden können.
Der Mensch verkommt zu einer wirtschaftlichen Zahl, die Menschen fühlen sich ihren Unternehmen nicht mehr zugehörig, da ihr Ersatzstamm keine Sicherheit mehr in der globalisierten kommunismusfreien Welt bietet.
Die Erdölvorräte gehen dem Ende zu und wir können unsere Mobilität nur zum Preis von mehr Umweltverschmutzung leisten. Die Menschen von Sarayaku können davon ein Lied singen wie immer mehr Menschen Begehrlichkeiten an ihrem Öl haben. Ganz Amazonien ist gefährdet, vom Energiehunger der Welt zerstört zu werden. Auch andere wundervolle Welten auf dieser Erde sind gefährdet wie die Tundra in Russland, wo immer mehr Ölbohrungen erfolgen, um den Energiehunger dieser egoistischen Welt zu befriedigen. Auch diese Naturstämme in dieser eisigen unwirklichen Welt können ihre Rentiere nicht überall mitnehmen, da zunehmend immer mehr undichte Pipelines die Gebiete erschliessen.
Ich träume immer noch von einer anderen Welt, von einer Welt, wo die Menschen lächeln und nicht über den anderen schlecht reden.
Ich träume von einer Welt, die keine Straßen und Autos braucht und wo die Erde nicht vom Asphalt beerdigt wird.
Ich weiss, dass diese Träume nicht erfüllbar sind.
In meinem Internetcafe merke ich immer wie unfreundlich das junge Ehepaar mit ihren Kunden umgeht, kein Wunder dass sie kaum Stammkunden haben.
Im Kaufpark sind die Kassiererinnen wie Roboter, die sogar manchmal das Tschüss vergessen und deren Gesichter Bände sprechen.
In den Straßen der Stadt laufen die Menschen wie um ihr leben und nehmen sich gar keine Zeit, den anderen wahrzunehmen.
Und ich spüre überall diese unterschwellige Aggressivität. Ich will nicht wissen wieviele Amokläufe wir in diesem Land hätten, wenn man eine Waffe so leicht bekommen könnte wie in den USA oder in Finnland, wo ein junger Mann durchdrehte und 10 Schüler umbrachte.
Ich gebe für diese Entwicklung der Zivilisation die Schuld, die es nicht schafft, den Einzelnen verlorenen Menschen in seine Mitte aufzunehmen.
Der Mensch ist ein Stammeswesen, der Geborgenheit und Zugehörigkeit braucht.
Dies nimmt die Gesellschaft und Politik zu wenig wahr.
Der Mensch ist eine Biografie mit Namen, keine Zahl.
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deprifrei-leben - 24. Sep, 18:02